6.000 Klimaaktivisten für eine Zukunft ohne Kohle

Anti-Kohle-Kette 2015 BaggerGestern war Tag der Anti-Kohle-Kette 2015 in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit über 20 Aktivisten aus der Umgebung von Koblenz bzw. Ahrweiler fuhren wir nach Immerath zum Braunkohletagebau Garzweiler I. Wie auch letztes Jahr bei der Anti-Kohle-Kette in der Lausitz kamen viele Busse aus ganz Deutschland und einigen Teilen Europas. Das Klima und die Frage, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um erfolgreich eine nachhaltige Energiezukunft zu gestalten, beschäftigt immer mehr Menschen auf unserem Planeten.
Der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 verstärkt den Klimawandel, der schon heute zu immer mehr Überflutungen, Stürmen und Dürren führt. Um diese stetig spürbarer werdenden Folgen in beherrschbaren Grenzen zu halten, müssen drei Viertel der fossilen Energieträger im Boden bleiben. Dies betrifft auch einen Großteil der zum Abbau genehmigten Braunkohle in Deutschland. Deshalb fordern die Organisatoren der Anti-Kohle-Kette die Bundesregierung dazu auf, die schmutzigsten Kohlekraftwerke sofort abzuschalten und einen sozialverträglichen Fahrplan für den Ausstieg aus der Braunkohle bis spätestens 2030 vorzulegen.

Der Besuch dieser riesigen Braunkohletagebaue ist immer wieder beeindruckend und erschreckend zugleich. Bis zum Horizont erstrecken sich nur wüstenähnliche Landstriche mit riesigen Baggern mittendrin, deren schwarzes Produkt von langen Fließbändern zu dampfenden Kraftwerken in der Ferne transportiert wird. Außerdem stehen im Umkreis von einigen Kilometern des Abbaugebietes etliche Pumpen auf einstigen Ackerflächen und saugen täglich Millionen Liter Grundwasser aus dem Boden.

Anti-Kohle-Kette 2015 FließbandAnti-Kohle-Kette 2015 Pumpe

Anti-Kohle-Kette 2015 HausGenauso gespenstisch wirken die verlassenen Ortschaften wie Immerath, die in nächster Zeit den Baggern zum Opfer fallen sollen. Seit über 20 Jahren wird den Menschen erzählt, dass ihr Dorf einst verschwinden wird. Die wenigen, die dennoch bis zum Schluss bleiben wollen, finden sich zurückgelassen in einer verbarrikadierten Nachbarschaft wieder. Viele, die lange planten hier ein eigenes Haus zu bauen, um den Eltern nahe zu sein, ließen von ihren Plänen ab und zogen woanders hin. So auch der Sohn einer älteren Dame, die den angereisten Aktivisten aus dem ersten Stock ihres Wohnhauses heraus ihre Erfahrungen schilderte. Aber als ob es nicht schon schwierig genug wäre, sich mit solch einer Situation anzufreunden: Nachdem sie das Schild “Dieses Haus ist noch bewohnt!” aufgehangen hatte, so erzählte sie uns, wurde ihr das Fenster eingeworfen.

Anti-Kohle-Kette 2015 Betroffene

Doch es wurde langsam ernst: Zwischen 13 und 14 Uhr formierten sich die Klimaaktivisten entlang den ihnen jeweils zugewiesenen Streckenabschnitten. Auf einer Strecke von etwa 7,5 km von der Abbruchkante des Tagebaus Garzweiler I über Immerath, Borschemich bis nach Keyenberg wollten wir nun Hand in Hand ein Zeichen setzen: Ein Zeichen gegen den weiteren Ausbau der Tagebaue. Ein Zeichen gegen das krampfhafte Festhalten an überholten und inzwischen gefährlichen Energiekonzepten. Ein Zeichen für einen Wandel hin zu nachhaltigen und sauberen Technologien und mehr Energieeffizienz.

Anti-Kohle-Kette 2015 MenschenketteAnti-Kohle-Kette 2015 Banner

Anti-Kohle-Kette 2015 SeifenblasenUm 14 Uhr hieß es dann “Mehr nach links!”, kurz darauf “Wieder nach rechts!”. Und nun standen wir dort, hand in Hand, ohne zu wissen, wieviele Menschen heute hier sind und ob es noch irgendwo Lücken in der Kette gibt. Es war ruhig. Gelegentlich waberte eine La-Ola-Welle vorüber. Die Stimmung war gut. Selbst das Wetter unterstützte uns. Und plötzlich: Löste sich die Kette auf.

Kurz darauf strömten tausende Menschen in bunten Farben, sogar Kostümen und  den verschiedensten Slogans nach Immerath zur Abschlusskundgebung. Alle Teilnehmer der Menschenkette – teils mit Shuttlebussen von den entfernten Streckenabschnitten hergebracht – versammelten sich nun hier, um beieinander zu sein und zu erfahren, ob die Kette geschlossen war oder nicht. Und tatsächlich; endlich gab es die ersehnte Botschaft von der großen Bühne: Etwa 5.000 Klimaschützer aus ganz Deutschland und Europa waren zur Menschenkette erwartet worden. Mehr als 6.000 waren gekommen. Die Kette war auf der gesamten Länge geschlossen: Wir waren erfolgreich!

Anti-Kohle-Kette 2015 Hop Stop BandaSofort wurde Musik angestimmt. Die Küche vom Kollektief Rampenplan brachte warmes, leckeres Essen hervor. Alte Freunde sahen sich wieder und feierten gemeinsam den heutigen Tag. Reden und Diskussionen auf der Bühne versorgten uns mit verschiedenen Perspektiven auf die Problematik Kohleabbau. Doch den Schlusspunkt machten Hop Stop Banda und brachten alle zum Tanzen, in teils strömendem Regen!

Unterstütze die Forderung nach einer Zukunft ohne Kohle:
http://www.greenpeace.de/Energiewende%20vorantreiben#machmit

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