6 Jahre Fukushima

6. Jahrestag des Super-GAUs von Fukushima

Vergangenen Samstag waren wir gemeinsam mit Mitgliedern des BUND und der BUNDjugend auf der Straße, um an eine Katastrophe ungeheuerlichen Ausmaßes zu erinnern: Zum 6. Mal schon jährte sich am 11. März die japanische Dreifachtragödie aus Erdbeben, Tsunami und Super-GAU am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, die tausende Menschen aufs Härteste traf und bis heute verheerende Auswirkungen hat. Die erschreckenden Details dazu später, zunächst einmal: Wie kann man auf die zahllosen Unfälle an Kernkraftwerken (AKW) aufmerksam machen?

6 Jahre Fukushima

Wir bastelten zehn Lampions: Jeder ein Symbol für einen der größten Atomunfälle seit Nutzung der Atomkraft. Zusätzlich ein Lampion als Symbol für den nächsten Super-GAU, von dem niemand weiß, wann er wo passiert. Ausgestattet mit je einem Lampion machten mehr als 13 Aktivisten den Jahrestag auf der Löhrstraße sichtbar. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Zahlreiche Passanten hielten an, staunten und fragten schließlich, was es mit den Unfällen auf sich gehabt hat. Wer mehr wissen wollte, konnte sich an einer zwischen zwei Laternen gespannten Leine mit detaillierten Informationen schlau machen. Mit Einbruch der Dunkelheit versammelten wir uns mit durch Kerzenschein beleuchteten Lampions auf dem Löhrrondell und erinnerten mit einer Ansprache an Fukushima und all die anderen Atomunglücke. Auch die Sicht eines japanischen Zeitzeugen wurde verlesen. Besonders klagt er an, dass die japanische Regierung die Betroffen finanziell im Stich lässt und in kontaminierte Regionen zurückschickt. Darauf folgte eine eindrucksvolle Schweigeminute für die Opfer der Atomkraft, an der sich auch einige Passanten beteiligten. Schließlich fassten wir die Situation in Europa zusammen und forderten, dass der Wahnsinn eines gemeinhin tolerierten Super-GAU-Risikos weltweit ein Ende haben muss!

6 Jahre FukushimaDoch was hat sich eigentlich am 11. März 2011 in Fukushima ereignet? Nach einem schweren Erdbeben der Magnitude 9,1 trifft ein ca. 15m hoher Tsunami das AKW Fukushima, wodurch die Notstromversorgung  ausfällt. Die dadurch unterbrochene Wasserkühlung verursacht eine partielle Kernschmelze und mehrere Explosionen. 160.000 Menschen müssen evakuiert werden. Das Schilddrüsenkrebsrisiko bei Kindern hat sich lokal verhundertfacht. 20.000 Helfer sind bei den Aufräumarbeiten dem Risiko radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Zudem verstrahlt kontaminierter Regen umliegende Gebiete und macht sie auf Jahrzehnte unbewohnbar. Über das Grundwasser und Kühlwasser gelangen große Mengen an Radioaktivität ins Meer.

Auch heute noch bestehen zahlreiche Gefahren in Fukushima: Es hat sich ein regelrechter radioaktiver Sumpf rund um das AKW gebildet, auch umliegende Brunnen und Flüsse sind stark verseucht. Das aufgefangene Kühlwasser wird derzeit von strahlendem Cäsium und Strontium befreit, für die Filterung von Tritium fehlt jedoch bislang eine geeignete Technologie, sodass das kontaminierte Wasser weiterhin in riesigen Tanks aufbewahrt werden muss. Ein unterirdischer Eiswall sollte das Grundwasser vor dem Eindringen ins AKW hindern, doch ganz dicht ist auch dieser nicht. Roboter könnten helfen, den Zustand der Brennstäbe zu klären, um sie langfristig zu bergen, doch noch versagen sie angesichts der immensen Strahlungsbelastung im Innern des Reaktors. 6 Jahre FukushimaEin ca. 40km langer Landstreifen in nordwestlicher Richtung des AKW ist so stark kontanimiert, dass er auf Jahrhunderte nicht für Landwirtschaft nutzbar ist. Auch Menschen sollten dort nicht leben, doch die Regierung deklariert die Regionen nach einer Dekontaminierung als sicher und betrügt damit ihre Bürger, denn mit dem Regen kommt die Radioaktivität auch auf Flächen zurück, von denen eine 5cm dicke Lage verseuchter Erde entfernt wurde. In diesem Jahr endet für die Evakuierten die staatliche Unterstützung für Wohnungen in sicheren Gebieten, sodass der wirtschaftliche Druck viele in ihre alte kontaminierte Heimat zurücktreibt. Unterdessen werden die meisten japanischen AKWs wieder hochgefahren und das Risiko für den nächsten GAU tragen wieder einmal die Bürger und nicht die Betreiber, die vom Staat geschützt werden.

Anhand von Fukushima zeigt sich erneut, wie finanzielle Interessen der Atomlobby stärker wiegen als der Schutz von Mensch und Umwelt. Weil von AKWs trotz Vorkehrungen ein beträchtliches Restrisiko radioaktiver Kontaminierung ausgeht, fordern wir, dass das Atomzeitalter weltweit ein Ende findet und regenerative Energiequellen deren Platz einnehmen. Das gilt speziell für das stark Erdbeben- und Tsunami-gefährdete Land Japan. In Europa muss Deutschland seinen Einfluss als Atomausstiegsvorreiter geltend machen, besonders gegenüber seinen Nachbarn Belgien, Frankreich und Schweiz mit ihren maroden Pannen-Meilern. Mit mehr als 20 Menschen auf der Straße haben wir an Fukushima erinnert und gemahnt, dass so etwas nicht wieder vorkommen darf, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nirgendwo auf der Welt!

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2 Gedanken zu „6. Jahrestag des Super-GAUs von Fukushima

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