Lidl hat die Wahl

Gestern war es wieder soweit: In über 50 Städten deutschlandweit wurden Greenpeace-Gruppen aktiv. Diesmal, um von Lidl – stellvertretend für alle Discounter – mehr Transparenz auf Fleischprodukten, einen Aktionsplan für bessere Haltungsbedingungen und mehr fleischlose Alternativen anstatt Billig-Fleisch aus Massentierhaltung zu fordern.

Lidl hat die Wahl

Am Samstagmorgen um 9 Uhr waren wir verabredet, um all unsere Materialien vor die Lidl-Filiale vorm Hauptbahnhof zu bringen. Kurz nach 10 Uhr konnten wir beginnen, die ersten Lidl-Kund*innen und Passanten zu informieren, die sich über den Tag hinweg in großer Zahl unseren Forderungen anschlossen.

Lidl bewirbt Kotelett, Steak und Wurst mit der Initiative Tierwohl – in Wirklichkeit leiden die Tiere, die das Fleisch liefern. „Lidl unterstützt die Initiative Tierwohl“, steht auf einem schlichten, angenehm bodenständig wirkenden Etikett. Wir vermuten, dass dies den Kund*innen ein gutes Gefühl geben soll, wenn sie im Discounter die Schweinefleisch-Packung in den Einkaufswagen legen. Doch das Etikett auf der Lidl-Eigenmarke Landjunker täuscht: Es garantiert ganz und gar keine wohlige Tierhaltung. Das Logo erlaubt, Schweinen die Ringelschwänze abzuschneiden und sie auf engem Raum ohne Auslauf zu halten – es weist nicht unbedingt Besseres aus als die laschen gesetzlichen Mindestanforderungen. Wie geht es den Tieren? Haben sie Gen-Futter gefressen und Antibiotika bekommen? Das Lidl-Logo gibt keine Auskunft.

Lidl hat die Wahl

Lidl hat die Wahl

Wir fordern, dass Lidl  ehrlich auf den Produkten der Eigenmarke Landjunker über Tierhaltung und Herkunft informiert. Allerdings ist die Handelskette kein Einzelfall, wenn es um mangelnde Transparenz geht: Greenpeace hat bei allen deutschen Supermarktketten nachgefragt, wie das Schweinefleisch für die Eigenmarken hergestellt wurde. Das Ergebnis ist bei allen gleich: Der Handel tut kaum etwas, um die unsäglichen Bedingungen in der Massentierhaltung zu verbessern.

Anstatt die Zustände in den Ställen zu ändern, ruht sich der Einzelhandel auf der gemeinsamen Initiative Tierwohl aus. Das Logo prangt bei Lidl auf fast allem frischen Schweine- und Geflügelfleisch – obwohl der Großteil nicht aus Betrieben der Initiative stammt, sondern aus einer Produktion, in der die Haltung ungenügend ist. Zudem schließt die Initiative weder Verstümmelungen noch Genfutter oder die massenhafte Gabe von Antibiotika aus. Die Initiative Tierwohl grenzt an Verbrauchertäuschung.

— Schreib eine Protestmail an Lidl —

Lidl hat die WahlLangfristig ist es uns wichtig, dass wir Menschen uns über die derzeitige Menge und Art und Weise unseres Fleischkonsums bewusst werden. Vor allem die Nutztierwirtschaft hat einen riesigen Anteil an Klimawandel und globalen Umweltschäden. Mit wachsendem Bewusstsein muss sich unser Konsumverhalten ändern. Das wird einfacher, wenn die Supermärkte uns verstärkt Alternativen bieten. Auch die Subventionen der Politik für Massentierhaltung müssen dringend für eine Veränderungen der Landwirtschaft verwendet werden. Allerdings können jene, die bereits schon jetzt ihren Konsum von Tierprodukten senken wollen, auf einige vegetarische und vegane Alternativen zurückgreifen.

Weit vor 18 Uhr hatten wir 200 Lidl-Kund*innen an unserer Seite: Dreißig von ihnen gaben Protestpostkarten mit Fragen an die Geschäftsführung direkt in der Filiale ab. 170 überreichten wir stellvertretend der Filialleitung zusammen mit einem Anschreiben samt unseren Forderungen. Die Filialleitung versicherte uns, alles an die Geschäftsführung weiterzuleiten.

Früher als gedacht konnten unsere sieben Aktivist*innen die Aktion erfolgreich beenden und die Sonne des Samstag anders genießen. Auch unsere im Hintergrund agierenden Gruppenmitglieder in unserer Öffentlichkeitskoordination, die Twitter und Facebook bedienten, durften sich zurücklehnen. Danke allen Unterstützer*innen, auf der Straße, im Web und anderen Organisationen, die für ähnliche Ziele eintreten!

Lidl hat die Wahl

Ein Gedanke zu „Lidl hat die Wahl

  1. Hallo liebe Greenpeace-Aktive,

    vielen Dank für diese tolle Aktion. Ich war am Samstag auch da und habe für mehr Tierschutz unterschrieben. Zusätzlich unterhielt ich mich noch einige Minuten mit einer jungen Frau von Euch. Dabei verfiel ich ein bisschen zu sehr in “Weltschmerz” und sagte auch Dinge, die möglicherweise geeignet dazu sind, zumindest teilweise entmutigt zu werden beim Engagement für eine bessere und menschenwürdigere Welt. Was ich schlicht vergaß zu erwähnen war die Tatsache, dass “wir” (ich bin schon sehr lange Fördermitglied von Greenpeace), obwohl wir nur ein ziemlich kleiner Teil der Bevölkerung sind, schon sehr viel erreicht haben! Was wäre denn ohne Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen? Sehr wahrscheinlich hätten wir sogar noch die ungeheuerliche, unsägliche Atomkraft, die Autos hätten noch keinen Katalysator, es gäbe keine “Müll”trennung usw. usw. Deshalb danke ich Euch dafür sehr und freue mich sehr über Euer Engagement und wünsche Euch sehr, dass Ihr weiter so erfolgreich seid und dass trotz vieler noch bestehender Probleme Euere Lebensfreude nicht reduziert wird.

    Liebe Grüße
    Peter Albert

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